Werkfeuerwehr CHEMPARK Leverkusen – Sicherheit für 30.000 Mitarbeiter
Eine schier unglaubliche Verantwortung tragen Firmen, die mit gefährlichen oder für Mensch, Tier und Umwelt giftigen Produkten arbeiten oder diese herstellen. Aus dieser Verantwortung heraus entstanden Werkfeuerwehren, die auf den betriebseigenen Geländen im Einsatz sind, wenn die Gefahren für kommunale Feuerwehren zu speziell oder aus anderen Gründen nicht zu leisten sind. Mitten in Deutschland gibt es genau so eine Spezial-Feuerwehr, die als gutes Beispiel in der Industrie vorangeht und sogar für die Nachbarn und Anwohner transparent bleibt – obwohl hier viele Produkte hergestellt werden, die oft der höchsten Produkt-Geheimhaltung und sogar Patenten unterliegen.
Neben der Bayer HealthCare AG, die Arzneimittel und andere medizinische Produkte herstellt, sind Stoff-Veredler wie Lanxess am Standort Leverkusen angesiedelt. Hier werden Stoffe wie Schwefelsäure und Flusssäuren hergestellt oder weiterentwickelt. Auch hochwertige Textilfarbstoffe wurden lange hier produziert, genauso wie Elektronik-Chemikalien. So unterschiedlich die Firmen auch sind – sie alle liefern Rohstoffe, Grundstoffe und Produkte, die später für den Endverbraucher weiterverarbeitet werden. So finden sich an den drei CHEMPARK-Standorten viele Unternehmen, die der Automobilindustrie, der Medizin oder sogar dem Straßenbau zuarbeiten. Und die Dinge, die wir später wie selbstverständlich und ungefährdet nutzen, können in der Produktion zu Aufgaben der besonderen Art führen – auch für Feuerwehren. Die Gefahren von chemischen Produkten lassen sich dabei mit geübtem Blick, relativ einfach einordnen: Explosionsgefährlich, brandfördernd, hochentzündlich, sehr giftig, krebserregend und stark wassergefährdend – all das gibt es hier. Allein in Leverkusen gibt es über 5.000 Chemikalien.
Werkfeuerwehr beim CHEMPARK Leverkusen
Zu diesen vielen Aufgaben kommen seit über 25 Jahren noch weitere spezielle Anfragen aus ganz Deutschland und Europa hinzu. Denn der CHEMPARK ist Teil des Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystems der chemischen Industrie – kurz TUIS. Rund 130 Chemie-Werkfeuerwehren in ganz Europa haben sich zusammengeschlossen und unterstützen die öffentlichen und kommunalen Feuerwehren mit einer ständigen telefonischen Erreichbarkeit zu allen erdenklichen Stoffen. Sollte also an der Nordsee ein Chemie-Großeinsatz laufen: In Leverkusen treffen die Informationen ein und Nachfragen zu Spezialinformationen werden zuerst telefonisch abgearbeitet. Wenn das nicht reicht, rücken die Werkfeuerwehrleute sogar selber mit technischem Gerät aus. Bis heute ist dies im gesamten TUIS-Netzwerk schon 24.000 Mal der Fall gewesen. In Leverkusen wurden im Jahr 2009 exakt 37 TUIS-Anfragen angenommen. Neun Mal rückten die Kräfte daraufhin zur Einsatzstelle aus.
Sascha Fabian, Michael Wodarsch und der Manipulator
Einmalig ist ein selbstfahrendes Gerät, das jedoch bei größeren Strecken immer gut eingepackt auf einem LKW transportiert wird. Der 400 Kilogramm schwere „Manipulator“ ist ein Gefährt, wie es sonst eigentlich nur Spezialeinsatzgruppen der Polizei vorhalten. Etwa 1,3 Meter lang, und nur 70 Zentimeter schmal kann der Greifarm in eine Höhe von 2,8 Meter ausfahren. Sogar Treppen erklimmt der fernsteuerbare Feuerwehr-Roboter mit seiner maximalen Geschwindigkeit von drei Stundenkilometern genauso leicht, wie Hindernisse die maximal 25 Zentimeter hoch sein dürfen. Mehrere Zusatzwerkzeuge sind für unterschiedlichste Einsätze vorhanden, bei denen sich Menschen in Lebensgefahr bringen müssten, um zu helfen. So gehören Bohrmaschine, Winkelschleifer, Schlagschrauber, ein Probennehmer und eine Säge dazu. Ein Ex-Warngerät schlägt Alarm, sobald sich explosionsfähige Gasgemische gebildet haben. Doch der besondere Clou ist der Fassöffner, der zum Beispiel bei Überdrücken in einem Behälter eingesetzt wird: „Früher mussten Kollegen ein Fass vorsichtig separieren und dann kontrolliert entlüften lassen, aus nächster Nähe. Doch das war natürlich eine gefährliche Sache. Heute haben wir dieses Gerät zur Fern-Handtierung. Wir können den Manipulator anfahren lassen und der erledigt diesen Auftrag – wir steuern ihn aus sicherer Entfernung aus“, sagt Michael Wodarsch (51). Der Hauptfeuerwehrmann und Rettungsassistent ist gelernter Feinmechaniker und seit 1981 bei der Werkfeuerwehr. Gemeinsam mit Sascha Fabian (34), bedient er den Roboter, der in der Fachsprache immer nur Manipulator genannt wird. Oberfeuerwehrmann Fabian ist Prozessleit-Elektroniker und seit elf Jahren bei der Werkfeuerwehr im Chemiepark Leverkusen. Während er den Manipulator auf das Fass zusteuert, stellt er zugleich die beiden angebauten Kameras zentimetergenau ein, schaltet die Scheinwerfer an. So kann der Feuerwehrmann über den großen Monitor am Bedienelement genau sehen, was der Roboter macht und wie er nun genau gesteuert werden muss, obwohl er weit entfernt und sicher steht. Sogar Töne werden von der Einsatzstelle zum Bedienelement per Funk zuverlässig und ohne Verzögerung übertragen.
Jürgen Lehnert und Dirk Kühnert am Nachlaufstapler
Peter Funke, Brandoberinspektor und Fach-Ausbildungsleiter
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