Flughafen-Feuerwehr Leipzig/Halle
Unter den Feuerwehren gehören die Werkfeuerwehren zu einer besonderen Gattung. So gibt es laut des Werkfeuerwehrverbandes Deutschland gut 50.000 Werkfeuerwehrleute bundesweit. Diese sind teilweise hauptberuflich tätig oder vollziehen die Brandschutzarbeiten nebenberuflich. Wichtig dabei: Die Wehren unterliegen nicht den Kommunen - wie der Name schon sagt - sie gehören einem Werk, einer Firma an.
Eine besondere Gruppe dieser Feuerwehren wiederum ist an Flughäfen stationiert. Dort sind die wahrscheinlich größten, schnellsten und besten Löschfahrzeuge im Einsatz – und wohl auch die teuersten. Ihr Löschwassertank fasst sehr große Mengen, da bei einem Feuer an Bord einer Maschine nicht erst eine Wasserversorgung aufgebaut werden kann. Eine dieser besonderen Wehren stellt die Feuerwehr am Flughafen Leipzig/Halle dar. So sind die Feuerwehrleute hier für den drittgrößten Frachtflughafen Deutschlands zuständig. Dort wurden 2009 über 524 000 Tonnen Luftfracht verteilt. Auch daher wird derzeit massiv erweitert. Die Deutsche Post World Net besitzt hier mit dem Europa-Hub der DHL ein Umschlagzentrum (Warehouse) und einen eigenen Hangar für die firmeneigenen Flugzeuge. Bei der Firma selber ist eine eigene Gruppe für den Brandschutz zuständig, doch wird auch die Flughafen-Feuerwehr bei den Einsätzen hinzu alarmiert. Ein Rettungscontainer MAN-V, also für einen Massen-Anfall von Verletzten, sorgt am Flughafen für das nötige technische Equipment für Großschadenslagen. Ein besonderer Tag für die Flughafen-Feuerwehr Leipzig/Halle war das Richtfest im Oktober 2009: Dort wurden die beiden neuen Feuerwachen Ost und West schon einmal kräftig befeiert. Bis zum Juni 2010 sollen alle Gebäude und Remisen mit der gesamten Ausstattung fertig gestellt sein. Nötig wurde der Bau zwei neuer Feuerwachen durch den umfangreichen Ausbau des Flughafens, der auch ein komplett neues Brandschutzkonzept erforderte. Die bisherigen Wachen Nord und Süd zuzüglich einer Interimslösung im Zentralbereich werden durch Ost und West ersetzt – deren Neubau kostet etwa 20 Millionen Euro. Nicht nur die Gebäude sind dann neu - auch für die Feuerwehrleute ändert sich einiges: So sollen in den neuen Feuerwehr-Gebäuden auch andere Mitarbeiter Sport treiben dürfen.
International werden Flughafen-Feuerwehren in Sicherheitskategorien klassifiziert. Leipzig/Halle erreicht hier einen Wert von 10 – und damit den höchsten Wert, den die internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) vergibt. „Damit erfüllt die Werkfeuerwehr die höchsten internationalen Sicherheitsstandards, die für einen Verkehrsflughafen definiert sind, der über zwei Start- und Landebahnen verfügt und an dem alle Flugzeugtypen bis zum Airbus A380 verkehren können“, sagt Uwe Schuhart, Sprecher des Flughafens. „Wenn ein Flughafen wächst“, so Dierk Näther, Geschäftsführer der Flughafen Leipzig/Halle GmbH, „muss die Sicherheit Schritt halten. Die Errichtung der beiden neuen Feuerwachen ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dieses hohe Niveau auch langfristig sicherzustellen.“ Im Juli 2007 bereits ist die 3.600 Meter lange Start- und Landebahn Süd eröffnet worden. Seither gibt es ein Parallelbahn-System, das vor allem in den Nachtstunden durch die Frachtflugzeuge rege für An- und Abflüge genutzt wird. 290 Millionen Euro kostete die neue Start- und Landebahn. Auch in den neuen Feuerwachen wird es wieder Rutschstangen geben, damit die Feuerwehrleute aus den Sozialräumen im Obergeschoss schnell nach unten zu den Fahrzeugen gelangen können. Hier bleibt also alles beim Alten und wie es immer war.
Derzeit werden die Feuerwehr-Einsätze noch aus der alten Feuerwache Süd disponiert. Demnächst wird die hochmoderne Leitstelle in der Feuerwache West diese Aufgabe übernehmen. Noch liegen dort nicht alle Kabel sauber versteckt im Boden oder den Decken. Doch bald funken, telefonieren und disponieren hier die Mitarbeiter der Flughafen-Feuerwehr gemeinsam mit ihren Kollegen der Verkehrszentrale und des Sicherheitsleitstandes. Bis zur Interschutz, die am 7. Juni 2010 in Leipzig startet, soll der Bau fertig gestellt sein und für Besucher geöffnet sein.
98 hauptamtliche und 64 nebenberufliche Feuerwehrleute versehen derzeit auf drei Wachen ihren Dienst. 24 hauptberufliche Einsatzkräfte sowie die Hälfte an nebenberuflichen Rettern sind jeweils pro 24-Stunden-Schicht vor Ort. Seit dem 9. Dezember 1997 gehört die Flughafenfeuerwehr Leipzig/Halle zu den anerkannten Werkfeuerwehren. Zuständig sind die Mitarbeiter nicht nur für den abwehrenden Brandschutz, sondern auch für den vorbeugenden. Auch medizinische Erstversorgung gehört zum Aufgabenspektrum der Feuerwehrleute. Ein Großteil der 4.800 Einsätze sind technische Hilfeleistungen wie Austritte von Flüssigkeiten und Überprüfungen von beschädigten Frachtlieferungen mit Gefahrgütern. Doch auch gut ein Drittel der Einsätze gehen darauf zurück, Menschen mit Behinderungen eine Reise überhaupt zu ermöglichen. Hierzu werden die Passagiere zum Flugzeug und zurück befördert. Insgesamt reisten 2009 gut 2,4 Millionen Menschen von oder nach Leipzig/Halle. Ein anderes Drittel der Einsätze teilt sich auf in Brände oder Meldereinsätze sowie Einsätze am Flugzeug und den Brandschutz. Dafür stehen sechs Großlöschfahrzeuge (GTLF) zur Verfügung. Mit mehr als 32.000 Litern Löschmittel bilden sie die erste Linie er Großfahrzeuge an den Feuerwachen. Insgesamt gibt es knapp 30 Feuerwehrfahrzeuge, verteilt auf die Wachen. „Weitere Sonder- und Spezialfahrzeuge sind mit unterschiedlichen Rettungs- und Einsatzmitteln ausgestattet“, so der Flughafensprecher Schuhart.
Um auch weiterhin auf Einsätze vorbereitet zu sein, wird derzeit auch intensiv an einem 4.000 Quadratmeter großen Ausbildungs- und Übungsgelände gebaut. So liegt die bisherige Feuerwache Nord in Zukunft nicht mehr innerhalb des gesperrten Flughafen-Bereiches, sondern wird öffentlich zugänglich sein. Es werden nämlich erstmalig nicht mehr nur die eigenen Mitarbeiter ausgebildet werden, auch Ersthelferlehrgänge und externe Schulungen werden angeboten. Denn es entsteht das Feuerwehrübungszentrum, im Inneren mit einer Atemschutzkriechstrecke und weithin sichtbar das neugebaute gasbefeuerte Boeing747-Flugzeugmodell in Originalgröße. Dort wird bald auch das Löschen von über 100 Quadratmeter großen Flächenbränden simuliert, mit ausströmendem Propangas. Auch Brände im Flugzeugrumpf werden nachgestellt. Die Steuerung der Anlage erfolgt in der ehemaligen Feuerwache, die sich dafür ebenso extra im Umbau befindet. In einem holzbefeuerten, 14 Meter langen Brandcontainer werden Brand-Durchzündungen (Flashover) und die Rauchgasexplosion (Backdraft) simuliert und realistisch nachgebildet. Dies ist insbesondere für Einsatzkräfte interessant, die bei Wohnungs- oder Kellerbränden im Einsatz sind – eben nicht nur Angestellte der Flughafen-Feuerwehren. Ebenso die zweigeschossige Atemschutzkriechstrecke, die die Schulungseinrichtungen abrundet. Auch eine Übungsfläche zur Ausbildung von Handfeuerlöschern, wie sie jeder zu Hause haben sollte und wie sie in öffentlichen Gebäuden aushängen müssen, wird es zum Ende der Bauarbeiten geben. Brennbare Puppen können genutzt werden, um das Löschen von Menschen zu proben. Hierfür wird eigens ein 14 Quadratmeter großes Brandbecken hergerichtet.